Entwicklung Offenbacher Schulen

Als zu Beginn der 70er Jahre der Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" ins Leben gerufen wurde und auch Ruderwettkämpfe zum Programm gehörten, förderte das Land Hessen in größerem Umfang die Anschaffung und Unterhaltung von Bootsmaterial für den Schulsport. Gab es im Norden Hessens dafür selbstständige Schüler-Ruder-Vereine mit eigenen Bootshäusern, so waren im Süden die Schulen auf die Zusammenarbeit und das Interesse der ortsansässigen Vereine angewiesen. Es war sicher dem gesellschaftlichen Stellenwert der Sportart zuzuschreiben, dass es in Frankfurt schon lange vorher geförderte Kontakte zwischen traditionsreichen Vereinen und ebensolchen Gymnasien gab, in der Arbeiterstadt Offenbach eher nicht.

Eine große Anzahl der Jungen und Mädchen, die seinerzeit bei der Sportgemeinschaft Wiking ausgebildet wurden, besuchten die nahegelegene Schillerschule, die eine klassische stadtteilverwurzelte Volksschule war. Lehrer Latzke entdeckte damals den neuen Kleinfeldplatz der Wiking Handballer am Bootshaus und erteilte hier bei gutem Wetter seinen Sportunterricht. Mehrere talentierte Nachwuchskräfte, z.B. die späteren Jugendmeister, Medaillengewinner auf Junioren-Weltmeisterschaften und Eichkranzsieger Michael Schadock (Wiking) und Achim Siekmann (Hellas) gingen in seine Klasse, und das Ansinnen, eine Schüler-Ruder-Riege anzumelden, fiel deshalb bei ihm auf fruchtbaren Boden. Mit seiner Unterschrift besiegelte Rektor Stehmann am 3.Dezember 1970 die bis heute andauernde Zusammenarbeit zwischen der SG. Wiking und der Schillerschule. Siekmann / Schadock qualifizierten sich drei Jahre später als Hessische Schülermeister für das Finale von "Jugend trainiert für Olympia" und holten im Doppelzweier auch den Sieg nach Hessen. Der Flug nach Berlin im geteilten Deutschland und der Besuch der Berliner Mauer waren ganz sicher ein besonderes Erlebnis für die jungen Sportler. Natürlich gab es auch Jahre, in denen die Kooperation mehr auf dem Papier stand, doch mit der Entwicklung der Schillerschule, hin zu einer großen Gesamtschule und späteren Ganztagsschule, ergaben sich wieder Ansatzpunkte für die Belebung der Partnerschaft. Wie so oft, ist dies auch an handelnde Personen gebunden. Schulleiter Thomas Findeisen und seine freundschaftliche Verbundenheit zu dem erfolgreichen Ruderer und späteren Radsportler Uwe Holl waren und sind so ein Ansatzpunkt. Sie schufen durch die Verankerung entsprechender Arbeitsgemeinschaften im Stundenplan und die Bereitstellung von Lehrerstunden ein neues Fundament. Mit Übungsleiter Benjamin Hinz hat die Schillerschule seit dem letzten Jahr einen verlässlichen und engagierten Ansprechpartner in der Wiking. Regelmäßige Ausbildung von neuen Interessenten führte schon wieder zum Start beim Landesentscheid und das über das Schulrudern entdeckte und geförderte Talent Xenia Brylka wurde in diesem Jahr Hessische Meisterin im Leichtgewichts-Juniorinnen-Einer.

Die über die Schülerruderriege der Schillerschule fließenden Informationen wurden stets auch von anderen Offenbacher Schulen und Vereinen genutzt. Als noch die Kleinboote zum Programm bei „Jugend trainiert für Olympia“ gehörten, war Astrid Michalke von der Rudergesellschaft Undine für die Rudolf-Koch Schule erste Teilnehmerin aus Offenbach. Später wurden Schülerinnen und Schüler, die mehr oder weniger zufällig gemeinsam eine bestimmte Schule besuchten, für Schülerwettkämpfe in einem Boot zusammengeführt. So qualifizierten sich auch Gig-Doppelvierer mit Offenbacher Juniorinnen und Junioren schon für das Finale in Berlin. Lehraufträge für eine überschulische Leistungsgruppe waren die Folge. Lange Jahre leitete Detlef Reissmann diese Leistungsgruppen, später Jürgen Jürgensen und dann Heike Bender.

Ein völlig anderer und zukunftsweisender Ansatz führte 2002 zur Gründung der Ruderriege am Leibniz-Gymnasium. Protektorin und nimmermüde Antreiberin Heike Bender brachte diese Ruderriege praktisch schon mit zur Wiking, als sie hier das Amt der Trainerin übernahm. Ziel war und ist es, über das Schülerrudern auch neue Mitglieder für den Verein zu gewinnen. Besonders der Personalunion Trainerin im Verein und Protektorin der Schülerruderriege ist es zu verdanken, dass dieses Kooperationsmodell hier gut funktioniert. Mit identischer Zielsetzung gestartete Versuche anderer Offenbacher Vereine zur Zusammenarbeit mit Schulen scheiterten mehrmals an dieser nicht erfüllten Hoffnung.

In den letzten Jahren stellt das Leibniz-Gymnasium nicht nur eine der personell stärksten Mannschaften beim Landesentscheid. Siege und viele gute Platzierungen sichern Offenbach über einen Berechnungsmodus auch Boote aus dem Pool des Hessischen Kultusministeriums. Der Förderverein der Schule konnte mehrfach schon für eine Beteiligung bei Neuanschaffungen, auch bei Skulls oder Schwimmwesten, gewonnen werden.

Da die Schulkonferenz des Gymnasiums unlängst die Rückkehr zu G9 beschlossen hat, dürften sich die zeitlichen Bedingungen für den trainingsintensiven Rudersport bald wieder verbessern.

In letzter Konsequenz verdankt die Sportgemeinschaft Wiking ihre Einsatzstelle für ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ auch dieser Zusammenarbeit Schule / Verein. Um die Vereinbarkeit von Schule und Sport zu erleichtern, wurden die FSJ-ler zur Betreuung bei den Hausaufgaben herangezogen. Einige, die einst davon profitierten haben später selbst diesen Freiwilligendienst abgeleistet und sich für das Schülerrudern stark engagiert, wie etwa Johannes Bilz und zuletzt Jan Bütof.

Detlef Reissmann

500m unter zwei Minuten

Den Wettbewerb des Ruderverbandes „Deutschland sucht die schnellste Klasse auf dem Ruderergometer“ nahmen Trainer Demir Türsan und der Vorsitzende Detlef Reissmann zum Anlass, in möglichst vielen Klassen der Jahrgangsstufen 5,6 und 7 für ihren Sport zu werben und Talente anzusprechen. Punktuell unterstützt wurden sie von Michael Sempf und Albert Dutulescu. Dass sich letztlich 977 Schülerinnen und Schüler aus 43 Klassen an vier Schulen der Herausforderung stellten und gegen die Uhr kämpften, darf man als großen Erfolg bezeichnen.
Die jeweiligen Schulleitungen und Lehrkräfte wussten es zu schätzen, dass die Aktion ohne eigene große Vorbereitung im Rahmen und zu den Zeiten des regulären Sportunterrichtes der jeweiligen Klassen vom Verein organisiert wurde und täglich die sechs Ruderergometer in den Turnhallen auf- und abgebaut wurden.
Für unseren Kooperationspartner Leibniz Gymnasium war diese Aktion nicht neu, hatte in den vergangenen Jahren doch Protektorin Heike Bender öfter schon mit Ruderergometer an der Schule geworben. Sportlehrer Michael Meyer, aktueller Leiter der Ruder-AG, konnte im Kreise seiner Kolleginnen und Kollegen deshalb 15 Klassen und 325 Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen gewinnen und registrierte danach einen deutlichen Zulauf in der von ihm angebotenen Ruder AG.
Trainer Demir Türsan wurde nicht müde, in jeder Klasse den Bewegungsablauf selbst zu demonstrieren und danach sehr strukturiert diesen den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Erst mit der entsprechenden Bewegungserfahrung galt es, 500m so schnell wie möglich auf dem Ergometer zurückzulegen. Die Schnellsten schafften dabei Zeiten von unter zwei Minuten! Grundsätzlich erhielten die besten Jungen und Mädchen jeder Klasse Gutscheine für einen Ruderkurs auf dem Wasser.


13 Klassen konnte Schulsport-Koordinatorin Frau Bremes am Albert-Schweitzer-Gymnasium gewinnen. Dort war bislang der Rudersport nicht so präsent, was sich zunächst im Interesse von „nur“ vier Klassen zeigte. Doch offensichtlich hatte sich unter den Lehrern und Schülern schnell die begeisternde Atmosphäre im Unterricht herumgesprochen, und so zeigten im Laufe der Aktion weitere neun Klassen ihr Interesse an und wurden selbstverständlich besucht. Wenn der Wettbewerb im kommenden Winter neu aufgelegt wird, soviel ist klar, wird man gerne wieder teilnehmen, nicht zuletzt deshalb, weil Sport ein Schwerpunkt im Profil der Schule ist.
Die mit Abstand längste Kooperation Schule/Verein - bezogen auf den Rudersport - besteht zwischen der Schiller Schule und der Wiking. Im Zuge der Entwicklung, hin zur Schule mit Ganztagsangebot, wurde die Ruder-AG in den letzten Jahren wiederbelebt und die Zusammenarbeit punktuell sogar auf die Bereiche Drachenboot und Fitness ausgeweitet. Die verantwortlichen Lehrkräfte, Frau Willmes und Herr Metzler, brachten 11 Klassen und 246 Schülerinnen und Schüler „an den Start“ und belegen damit eindrucksvoll, dass ein großes Potential im unmittelbaren Einzugsbereich „Nordend“ steckt. Ab dem Schuljahr 2016/17 hat Herr Türsan die Leitung der Ruder-AG von Benjamin Hinz übernommen und will dieses Potential nutzen.
Kooperationen zwischen Schule und Verein sind natürlich kein Alleinstellungsmerkmal des Rudersports. Im Bereich „Mädchenfußball“ profitiert die SG Wiking schon länger von der Zusammenarbeit mit dem Rudolf Koch Gymnasium. Obgleich die Versuche anderer Vereine, diese eigentlich fast direkt am Main liegende Schule, langfristig und stärker, mit dem Rudersport zu vernetzen mehr oder weniger gescheitert sind, nutzten wir die bestehenden Kontakte unserer Fußballer zu Frau Rausch, auch hier das Ergometerrudern vorzustellen. Auf Anhieb fanden sich vier Klassen mit begeisterungsfähigen Lehrkräften und in unsere Ergebnislisten konnten weitere 96 Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden. Ein hoffnungsvoller Erstkontakt, den alle Beteiligten bei der Neuauflage im kommenden Jahr ausbauen wollen.


Auf Anregung von Herrn Türsan und der Nachfrage in den Klassen wird als Erweiterung nun schon über einen Schüler-Ergo-Cup in Offenbach nachgedacht. Mit dem Musiklokal im eigenen Bootshaus würde eine besonders geeignete Räumlichkeit schon zur Verfügung stehen, denn solche Wettkämpfe werden mit der dort vorhandenen Ton- und Lichtanlage ganz sicher zu einem jugendgemäßen Event.

Sportsgeist, Teamwork, Abenteuer

Nachdem die Schülerinnen und Schüler des Leibniz-Gymnasiums am Wochenende 9. und10. Juli bei „Jugend trainiert für Olympia“ in Kassel erfolgreich teilgenommen hatten, wurde am Sonntagabend im Bootshaus der Wiking umgeladen. Es galt, für die dreitägige Ruderwanderfahrt während der Projektwoche alles Nötige zu verstauen.
Am Montag ging es dann mit dem Zug nach Zellingen am Main. Dort angekommen stand der Anhänger mit den Booten schon bereit. Nun galt es diese „aufzuriggern“, um sie für die Reise vorzubereiten. Alle packten gut mit an, schließlich kannte jeder die Handgriffe noch vom Wochenende und so waren die Boote „Jugendstolz“, „Hessen“ und „Trio“ schnell auf dem Main. Die ersten Kilometer waren zügig zurückgelegt, womit wir uns eine Pause verdient hatten: Die drei Boote legten auf dem Main aneinander an und ließen sich treiben, wodurch alle Insassen die Hände für die erste Mahlzeit auf dem Main frei hatten.
Gut gestärkt ging es in eine Schleuse. Hier galt es besonders konzentriert zu sein, um die Boote ohne Missgeschicke in die Schleusenkammer zu bugsieren.
Alles klappte und nach über 10 km erreichten wir unser Tagesziel Karlstadt. Dort erfrischten wir uns erst einmal im Freibad, um anschließend unser Matratzenlager im dortigen Bootshaus aufzuschlagen.
Am Dienstag ruderten wir ca. 15 km bis nach Gemünden.
Nachdem wir in die Fränkische Saale abgebogen waren, schlugen wir beim dortigen Kanuclub unser Zeltlager auf und stärkten uns am Abend mit Gegrilltem.
Auf- und Abbau (der Boote, der Zelte) gehört stets mit dazu, macht aber gemeinsam sichtlich AUCH Spaß!
Die letzte Etappe (13 km) führte uns, nachdem wir die letzte Schleuse passiert hatten, bis nach Lohr. Dort stand bereits der Bootsanhänger bereit, den wir mit den uns nun sehr gut bekannten Handgriffen beluden. Per Zug ging es wieder zurück nach Offenbach, das wir glücklich aber auch müde am frühen Abend erreichten.
An dieser Stelle sei ein herzlicher Dank für die gute Kooperation von Schule und Verein ausgesprochen, insbesondere Frau Heike Bender (Organisation), Bernd Dripke (Gepäcktransport) und Jürgen Dönges (Bootstransport). Ohne die ehrenamtliche Vereinsarbeit wäre eine solche Fahrt nur schwer zu stemmen.
Wie man erkennen kann, ist also immer viel los bei der Ruder AG. Kontakt über Herrn Meyer an der Leibnizschule oder Heike Bender im Bootshaus.
Michael Meyer

Schülerregatta 2016

Die Schülerregatta im Rahmen der Kampagne „Jugend trainiert für Olympia“ (kurz JtfO), die dieses Jahr in Kassel stattfand, ist das alljährliche Highlight für Schülerruderer in Hessen. Sie bietet sowohl Neulingen, die erste Wettkampferfahrungen sammeln wollen, als auch fortgeschrittenen Vereinsruderern die Möglichkeit, sich mit Gegnern aus einer Vielzahl hessischer Schulen zu messen. Wie jedes Jahr nahmen auch die bei der Wiking beheimateten Ruder-AGs der Leibnizschule unter Leitung von Herrn Meyer und Heike Bender sowie die Schiller Schule unter Benjamin Hinz teil.


Die Regattavorbereitungen begannen schon am Donnerstag mit dem sogenannten „Abriggern“ und dem Verladen der Boote nach dem Training. Wir packten also jeweils zwei Rennvierer, zwei Gig-Vierer und Doppelzweier auf den Hänger, der in bewährter Weise von Johannes Bilz mit dem Vereinsbus nach Kassel gezogen wurde. Da der erste Wettkampftag für die Schülerinnen und Schüler schon sehr früh begann, war Abfahrt des Bootstransportes schon um 6:30 Uhr, die anderen fuhren um 7:30 mit dem ICE nach Kassel.
Viel Zeit blieb dennoch nicht, nach der Ankunft die Boote startklar zu machen.


Das erste Leibniz-Team, bestehend aus Lucian, Florian, David, Nadira, Aleksandra und Steuermann Lukas, ging zum ersten Start im Gig-Vierer aufs Wasser. Nach einer längeren Pause starteten am Nachmittag David, Wiktor, Redouan, Tobias und Steuermann Eymen im Rennvierer. Eine knappe Stunde später fuhren David und Tobias die 1000m Wettkampfstrecke im Doppelzweier und qualifizierten sich für den Endlauf am Sonntag.
Leider war der gemeldete Doppelvierer der Schiller Schule auf der Regatta nicht komplett und wurde deshalb ausgeschlossen. Adrian und Timur allerdings gewannen ihren Vorlauf im Doppelzweier der 15/16 jährigen souverän und weckten Hoffnungen auf eine Medaille am nächsten Tag.
Der zweite Wettkampftag lief für die Leibniz Schule deutlich besser. Im ersten Rennen des Tages, das David und Tobias in der Wettkampfklasse I fuhren, das heißt mit deutlich älteren Gegnern, gewannen die beiden Leibnizschüler im Doppelzweier Silber und sind damit Vizemeister auf den Hessischen Schülermeisterschaften in der Wettkampfklasse I. Nicht anknüpfen an ihre Leistung im Vorrennen konnten Adrian und Timur für die Schiller Schule und verfehlen so die schon sicher geglaubte Medaille.


Der Doppelvierer der Leibniz Schule mit Eymen, Harmandeep, Matilda, Leander und Steuermann David verpasste die Bronzemedaille knapp. Weniger als eine Sekunde trennte sie von den Dritten des Rennens. Eine sehr starke Leistung also, vor allem, da die Mädchen des Vierers das erste Mal überhaupt ein Rennen fuhren.
Nachmittags fuhren wir alle mit einem guten Gefühl, jedoch erschöpft und müde, nach Hause zur Wiking. Abladen war noch angesagt, sollte doch schon am nächsten Tag die Wanderfahrt im Rahmen der Projektwoche an der Leibniz Schule beginnen.
Rudern bedeutet: Spaß, Training, Emotionen, Teamgeist, Kampfgeist und noch vieles mehr! Gute Gründe für deinen Einstieg über die Arbeitsgemeinschaften an Leibniz- und Schiller Schule. Michael Meyer